Rückschlag für Artemis II: Helium-Problem erzwingt Rollback
Nur einen Tag nach der erfolgreichen zweiten Generalprobe hat die NASA ein neues technisches Problem an der SLS-Rakete entdeckt. Am Freitagabend (21. Februar) zeigten Daten eine Unterbrechung des Heliumflusses in der Oberstufe der Rakete. Die Konsequenz: Die 98 Meter hohe Rakete muss von der Startrampe zurück in die Montagehalle – und der März-Start ist nicht mehr möglich.
Aktueller Stand (22. Februar 2026)
- Neues Problem
- Helium-Unterbrechung
- Betroffenes System
- ICPS (Oberstufe)
- Maßnahme
- Rollback zum VAB
- März-Start
- ❌ Ausgeschlossen
- Nächstes Fenster
- Ab 1. April 2026
- Crew-Quarantäne
- Aufgehoben
Was ist passiert?
Am Freitagabend – weniger als 24 Stunden nach dem erfolgreichen Wet Dress Rehearsal – versuchten Techniker eine routinemäßige Neubefüllung des Heliumsystems in der Oberstufe der SLS-Rakete. Dabei stellten sie fest, dass kein Helium mehr durch das System fließen konnte.
Das betroffene Bauteil ist die Interim Cryogenic Propulsion Stage (ICPS) – die Oberstufe der SLS-Rakete. Helium wird dort benötigt, um das Triebwerk zu spülen und die Treibstofftanks unter Druck zu setzen. Ohne funktionierendes Heliumsystem kann die Rakete nicht starten.
Bei der Artemis-I-Mission 2022 trat ein ähnliches Problem auf. Damals wurde ein defektes Rückschlagventil in der Oberstufe als Ursache identifiziert und ausgetauscht. Ob es sich bei Artemis II um denselben Fehler handelt, ist noch unklar.
Warum muss die Rakete zurück ins VAB?
NASA-Administrator Jared Isaacman erklärte auf X: „Unabhängig von der möglichen Ursache – ob defektes Ventil, Problem an der Umbilical-Schnittstelle oder ein verstopfter Filter – kann die Reparatur nur im Vehicle Assembly Building (VAB) durchgeführt werden.”
Im VAB können Arbeitsplattformen um die Rakete herum ausgefahren werden, die den physischen Zugang zur Oberstufe und ihren Verbindungen ermöglichen. An der Startrampe ist dieser Bereich nicht erreichbar.
Die 98 Meter hohe Rakete wird auf dem Crawler-Transporter die 6,4 Kilometer lange Strecke von Launch Complex 39B zurück zum VAB zurücklegen.
Neben der Helium-Reparatur müssen im VAB auch die Batterien des Flugabbruchsystems ausgetauscht werden, da diese im März ablaufen. Außerdem besteht das Risiko, dass die beim Transport entstehenden Vibrationen die neu eingesetzten Wasserstoff-Dichtungen wieder beschädigen könnten.
Zeitplan: Was kommt als Nächstes?
Rollback zum VAB
Die Vorbereitungen für den Rücktransport der Rakete beginnen sofort. Die SLS-Rakete wird auf dem Crawler-Transporter zurück in die Montagehalle gebracht.
Fehlerdiagnose & Reparatur
Im VAB werden Arbeitsplattformen ausgefahren, um Zugang zur ICPS-Oberstufe zu erhalten. Ingenieure untersuchen die Ursache – mögliche Szenarien: defektes Rückschlagventil, Umbilical-Schnittstellenproblem oder verstopfter Filter.
Batterietausch & weitere Tests
Die Batterien des Flugabbruchsystems werden ausgetauscht. Möglicherweise sind weitere Betankungstests nötig, bevor die Rakete erneut zur Startrampe rollt.
Nächstes Startfenster: April
Pro Monat gibt es nur etwa fünf geeignete Starttage, abhängig von Mondposition, Flugbahn sowie Licht- und Temperaturbedingungen. Das nächste Fenster öffnet sich ab dem 1. April 2026.
Crew aus Quarantäne entlassen
Die vier Astronauten – Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und Jeremy Hansen – hatten sich erst am Freitag in die zweiwöchige Quarantäne begeben. Nach der Verschiebung wurden sie wieder entlassen und nehmen ihre normalen Trainingsaktivitäten wieder auf.
Einordnung
„Ich verstehe, dass die Menschen enttäuscht sind”, schrieb NASA-Administrator Isaacman. „Diese Enttäuschung wird am stärksten vom Team bei der NASA empfunden, das unermüdlich daran arbeitet, dieses große Vorhaben vorzubereiten.”
Isaacman kündigte für die kommende Woche ein umfassendes Briefing zu Artemis II und dem gesamten Mondprogramm der NASA an.
Die wiederholten Verzögerungen sind frustrierend, aber sie zeigen, dass die NASA keine Kompromisse bei der Sicherheit eingeht. Jedes Problem, das am Boden entdeckt und behoben wird, ist eines weniger, das im Weltraum auftreten kann – mit vier Astronauten an Bord.